Fußballperspektive mit Stefan, oder: Sonnenbrillenwetterbesuch

Nun empfange ich, kurz bevor es bald schon wieder zurück nach Hause geht, noch einen Familienbesuch in Derby - Stefan hat sich Urlaub genommen und bei einem Zwischenstopp bei unseren Eltern reist er zu seiner kleinen Schwester nach England.

Alles beginnt - in London. Wir treffen uns morgens auf dem Bahnhof Liverpool Street und brechen nach Kaffeestärkung mit der U-Bahn nach Chelsea auf.

Dort steht für uns eine Stadionführung in Stamford Bridge an, Fußballverständigen wohl bekannt als die Heimat des FC Chelsea. Wir haben Glück und unser Führer spricht nicht nur ein gut verständliches Englisch, sondern ist auch schon (fast) sein ganzes Leben Fan von Chelsea und arbeitet ebenso lange bei dem Verein. So kann er uns trotz Verzögerungen immer noch etwas erzählen. Verzögerungen gibt es reichlich, denn an allen Stationen vor und hinter uns sind ebenso große Führungsgruppen und das staut sich ganz schön. So muss Peter mit seinen Kollegen funken, wann es ok ist, weiterzugehen.


(Interessanter Blick auf die Rasenpflege in Stamford Bridge)

Wir erfahren viel über das Stadion, dessen neueste Erweiterung erst 2001 fertiggestellt wurde, und auch über den Verein. So hören wir die Gründungsgeschichte und erfahren, dass es nur einem Münzwurf zu verdanken ist, dass der Verein nicht nach Kensington benannt wurde - KFC klingt nicht ganz so einzigartig wie CFC... 


(Sechs Vollzeitmasseure für die Chelsea-Spieler... gibts sowas auch für Theatervereine?)

Nach der fast anderthalbstündigen Tour besuche wir noch das Museum und bewundern zahllose Ausstellungsstücke, ehe wir uns auf den Weg in die Innenstadt Londons machen - um den wolkenlosen Himmel, den ungetrübten Sonnenschein und die angenehmen Temperaturen zu genießen. So erleben wir Fish&Chips an der Themse, Menschenmassen auf dem Trafalgar Square und im St. James's Park, Nachmittags-Rush-Hour in der U-Bahn und schließlich abendlichen Andrang auf dem Bahnhof.


(Shilouette des Parlaments/Big Ben auf der anderen Seite der Themse - im Sonnenschein!)


Wir gönnen uns nur einen Tag Pause in Derby (die Stefan mit seinen Kochkünsten wie immer um einiges aufzuwerten versteht - und das mit den relativ begrenzten Mitteln, die ihm in unserer 8-Monate-Residenz zur Verfügung stehen...)



(Old Trafford)

Dann geht es nach Manchester. Mit dem Zug sind wir relativ schnell da und nehmen die Metrolink zum Old Trafford. Für Fußballbelesene ist klar, was ich für alle anderen noch einmal ausformuliere: Das ist das Stadion von Manchester United. Auch hier haben wir uns schon im Voraus in eine Führung eingebucht. Das Ganze wirkt zwasr auf den ersten Blick besser organisiert, aber uns wird klar, warum: wo in Chelsea aller halben Stunden die Gruppen in zwei Hälften geteilt geführt wurden, geht hier aller zehn Minuten eine vollbesetzte Gruppe auf Erkundungstour. 


(Für manche Heiliger Rasen...)

Wieder sehen wir so einiges vom Stadion, und auch wenn es von außen imposanter erscheinen mag als das Stamford Bridge Stadion, und auch um vile mehr Plätze verfügt, ist die Innenausstattung nicht so komfortabel wie in Chelsea. Trotzdem, auch hier sind die Ausmaße beeindruckend, uns werden Abläufe und Bewässerungsmöglichkeiten erklärt (in Old Trafford wird Regenwasser zur Bewässerung des Rasens gesammelt) und wir haben Sicht auf den Rasen aus verschiedensten Richtungen. Auch hier sind wir gute anderthalb Stunden unterwegs und danach schon etwas lauffaul. Und hungrig - die unzähligen (natürlich geschlossenen) Fressbuden im Stadion haben uns Appetit gemacht.

Nach einem Mittagssnack geht es uns schon besser und wir machen uns auf Schlendertour durch die zum Glück wieder im Sonnenschein durchflutete Innenstadt. Auch Stefan fällt der teilweise eigenwillige Mix von alt und neu auf, aber wir beide genießen Sonnenschein und belebtes Gedränge.


(Piccadilly Gardens in Manchester)


Unser letzter Tag ist angebrochen und wir entscheiden uns nur noch für einen kleinen Ausflug nach Leicester, ehe wir uns wieder trennen. Dort erwartet uns ein Mix aus Sonne und Wolken in einer gegen Manchester und London klein wirkenden Stadt, die zwar über ältere, schicke Fassaden verfügt, aber auch über riesige, futuristisch anmutende Einkaufszentren, die neben allen großen Klamottenketten auch Caféketten bietet und uns zu einem Burger-Abschiedsessen überzeugt. Nebenbei wird natürlich immer der Zwischenstand im Spitzenspiel in Leipzig verfolgt, und (Gefühls)Schweizer und Deutsche in Leicester sind natürlich über den Ausgang in Leipzig wahrscheinlich ebenso erfreut wie die Eltern, die nebenbei gesagt gerade in Polen weilen - was ist heute doch ein international gefärbter Tag...


(Rathausplatz in Leicester)

Die Zeit vergeht wie im Flug und es heißt schon wieder Abschied nehmen. So setze ich Stefan in den Zug nach Stansted und wir gehen beide wieder unserer Wege...


Was hier ein sehr kurzer Abriss ist, waren in Realität vier wundervolle Tage mit meinem Bruder, die wir intensiv für Entdeckungen, Kaffeegespräche und Kochunternehmungen genutzt haben, und wir beide (denke ich) haben es genossen, mal so richtig Zeit zu haben.

20.4.14 19:49

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